Kopfzeilengrafik mit Logo, Schriftzug Citykirche Reutlingen, einer Abbildung der Kirche sowie Link zur Eingangsseite

 

Geschichte der Nikolaikirche

Ansicht der NikolaikircheDie Nikolaikirche wurde 1358 erbaut, als Dank- und Sühnezeichen nach der großen Pest von 1348. Reutlinger Zünfte ließen sie dem Heiligen Nikolaus weihen. Nikolaus gilt als Schutzherr der Seeleute und Reisenden. Er nimmt sich der Armen in der Fremde an und gilt als Kinderfreund. So ist Nikolaus an der Außenwand des Chores der Nikolaikirche in einer 1914 geschaffenen Skulptur dargestellt.

Erbaut wurde sie wahrscheinlich von dem Baumeister Peter von Reutlingen, der wohl auch die neue Sakristei der Marienkirche errichtet hat.

Das einschneidendste Ereignis Reutlingens - den verheerenden Stadtbrand 1726 - überstand die Nikolaikirche wie durch ein Wunder fast unversehrt. Obwohl der Brand in der Nähe von ihr ausgebrochen war und vier Fünftel der Wohnhäuser der Innenstadt und fast alle öffentlichen Gebäude vernichtete, wurden lediglich das Dach und der Glockenstuhl zerstört.

Fenster der RückseiteDa auch die Marienkirche dem Brand zum Opfer gefallen war, wurde die Nikolaikirche ersatzweise als Gottesdienstort genutzt. Nach dem Wiederaufbau der Marienkirche blieb die Nikolaikirche lange Zeit vernachlässigt. Ab 1823 wurde sie der wachsenden katholischen Pfarrgemeinde überlassen. Mit der Weihe der katholischen St. Wolfgang-Kirche 1910 kam die Nikolaikirche in den Besitz der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, der sie noch heute gehört.

1945 brannte die Nikolaikirche völlig aus, wurde jedoch 1949/1950 wieder errichtet. Seit den 60er Jahren wird sie nicht mehr für ein regelmäßiges Gottesdienstangebot genutzt.

Seit 1996 ist die Nikolaikirche Ort der Vesperkirche, die dort jedes Jahr im Januar/Februar fünf Wochen lang Essen an Bedürftige und Solidaresser ausgibt.

Seit Juni 2005 steht die Nikolaikirche in den Zeiten außerhalb der Vesperkirche als Citykirche Reutlingen den Menschen wieder das ganze Jahr über offen.

Zur künstlerischen Gestaltung der Nikolaikirche

Tympanon

Tympanon im Chorraum der Nikolaikirche

Das bei der Außenrenovation 1962/63 entstandene Tympanon (= Bogenfeld über dem Türsturz) über dem Südeingang der Nikolaikirche ist von dem Reutlinger Bildhauer Richard Raach angefertigt worden. Es zeigt Christus in liebevoller Haltung, wie er die Kinder zu sich ruft und sie annimmt. Das Tympanon wurde im Zuge der Renovierung der Nikolaikirche 2007 versetzt und hat seinen neuen Ort im Chorraum neben dem Eingang zur Sakristei gefunden.

Chorfenster

Chorfenster Die 1962 eingesetzten farbigen Glasfenster des Stuttgarter Kunstmalers Christian Oehler thematisieren Eckpunkte der Christologie, der Lehre von Jesus Christus.

Das linke Chorfenster erläutert unter dem Motto "Der Verheißene" vier alttestamentliche Motive: der Menschensohn (Daniel 7,13-14), die Sternenverheißung Abrahams (1. Mose 15,1-6), die Schlange (4. Mose 21), die 3 Männer im Feuerofen (Daniel 3). Das Mittelfenster erläutert unter dem Thema "Der Gekommene" drei Szenen aus dem Leben Jesu (Heilung des Blinden, Abendmahl und Auferstehung). Das rechte Chorfenster erläutert unter der Überschrift "Der Wiederkommende" die Endzeit der Welt und den Anbruch des Reiches Gottes (Der verklärte Menschensohn Offb.1; Streit des Engels Michael mit dem Drachen Offb. 12,7-12, das Jüngste Gericht Offb.20,11-15).

Eine Beschreibung und Auslegung der theologischen Inhalte der Chorfenster finden Sie hier.

Schlussstein am Westportal (Eingang Federnseestraße)

Schlussstein am Westportal Als Schlussstein wurde über der Tür im Westportal eine Plastik von Ulrich Henn im Tympanon (= Bogenfeld über dem Türsturz) des Westportals eingelassen. Ein Band von nahezu vollfigurig aus dem Stein herausgehauenen Gestalten zeigt "Des Menschen Elend". Der Mensch, der es nicht lassen kann, mit eigener Hand nach dem Leben zu greifen, ist dargestellt durch Adam und Eva. Daneben sieht man Kain, der seinen Bruder Abel tötet; damit wird gezeigt, wo die Jagd nach dem Leben und die Selbstsucht hinführt: ins Töten und Verdrängen. Über dem Fries blickt aus dem gotischen Bogen der kreuztragende Christus, der aus der Schuld des Menschen herausführt.
 

Altar und Kreuz

Besondere VeranstaltungenBei der Innenrenovierung 1958 erhielt die Nikolaikirche den Altartisch. Das Kreuz aus Eichenholz auf dem Altar wurde 2008 von der Künstlerin Erika Walter in Zusammenarbeit mit HWP Diedenhofen für die Citykirche geschaffen. Durch die besondere Bearbeitung der Kreuzesbalken- gesägt, geschliffen, gebrannt, versiegelt- erhält das Kreuz Kerben und Spuren. Sie sind Symbol für all die Erfahrungen und Erlebnisse, die im Leben von Menschen Spuren hinterlassen.







Nikolaus von Myra

Der Patron der Nikolaikirche - Nikolaus von Myra

Die Nikolaikirche ist nach dem Bischof Nikolaus von Myra benannt. Er lebte Anfang des 4. Jahrhunderts in Kleinasien, der heutigen Türkei; gestorben ist er im hohen Alter um das Jahr 350 herum. Von seinem Leben weiß man nur wenig. Legenden, die sich um ihn ranken, tauchen ab dem 5. Jahrhundert auf. Die Nikolausverehrung ist seit dem 6. Jahrhundert in Kleinasien und Konstantinopel belegt und verbreitete sich schnell. Im 10. Jahrhundert kam der Nikolauskult über die Alpen nach Deutschland, wo er schnell populär wurde - nicht zuletzt wegen des mit ihm verbundenen Brauches der Kinderbeschenkung am Gedenktag des Bischofs am 6. Dezember.

In der Ostkirche wurde Nikolaus früh verehrt; bis heute ist er dort einer der wichtigsten Heiligen. Auch in Deutschland wurde Nikolaus seit dem Mittelalter sehr populär. Nikolaus galt als Helfer in fast allen Lebenslagen, insbesondere als Patron der Seeleute und Reisenden, der Kinder und der Kaufleute.